Schwere Dünung im Ärmelkanal

Dünung

Dünung ist alter Seegang; gewissermaßen eine alte, auslaufende See, dessen Antriebsquelle (der Wind) nicht mehr wirkt. Dünungswellen haben eine große Wellenlänge. Besonders heranziehende Stürme verraten sich schon lange vorher durch Dünung aus einer Richtung.

Schwere Dünung im Ärmelkanal


Keiner hat mit Jeremy Corbyn gerechnet, aber es sieht so aus, dass Theresa May’s Aufruf an die Urnen das Potential hat, genauso schief zu gehen, wie Camerons Brexit-Abstimmung. Ob Labour gewinnt, knapp verliert oder es ein „Hung-Parliament“ gibt wissen wir erst Freitag früh. Aber es ist knapp und Theresas Triumphzug von Nelsons Siegessäule zur Downingstreet hat das Potential einfach auszufallen.

Theresa May machte den Fehler, dass Sie die Abstimmung mit dem Vorschlag verknüpfte, ältere Bürger sollten mehr für die Krankenversicherung bezahlen. Angesichts der demografischen Lage ein ziemliches Eigentor. Bloomberg bezeichnet May in einem Beitrag heute als „brittle“ – zerbrechlich, spröde, morsch. Nicht ohne hinzuzufügen, dass sei immer dann der Fall, wenn Sie unter Druck gerate.

Ob das die richtige Chefin für den anstehenden Verhandlungsmarathon in Brüssel ist, von dem George Soros sagt, er werde mindestens fünf Jahre dauern, darf bezweifelt werden. Angesichts fallender Immobilienpreise in London aufgrund des sich abzeichnenden Wegzugs vieler Bankarbeitsplätze sicherlich kein Cocktail, der den verhandlungserfahrenen Engländern gut schmeckt. Interessant auch, dass die Brexit-Partei UKIP wohl das Potential hat, genauso schnell wie sie aufgetaucht ist, wieder in der Versenkung zu verschwinden. Und im amerikanischen Börsenfernsehen wird darauf hingewiesen, dass derzeit die Volatilitäten der Währungen größer seien, als die von Aktien – ungewöhnlich.

Erste Stimmen sagen, wenn Jeremy Corbyn sein Fahrrad am Zaun von Downingstreet 10 anschließt, sei es nicht mehr weit bis zur zweiten echten Brexit-Abstimmung. Ob der Brexit wirklich kommt ist damit unsicherer denn je. Schlecht für Europa wäre das sicher nicht.
Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass Corbyn in seinem Programm für massive Steuererhöhungen bei Unternehmen eintritt. Keine gute Zutat für steigende Aktienkurse auf der Insel.

Natürlich können Sie jetzt sagen:
„Was interessiert mich das, bisher sind die Kurse nach jedem Event aus dem politischen Raum gestiegen, dabei bleiben ist alles.“

Wir teilen diese Auffassung nicht und bleiben lieber beweglich. Das hat den Charakter von Gymnastik und gefällt uns besser, als behäbig im Sessel sitzen zu bleiben. Aktiv ist eben anders als Passiv. Ein interessanter Nebeneffekt ist, dass wir durch derartige Übungen inzwischen ziemlich gut wissen, wie liquide unsere Anlagen wirklich sind. Eine wichtige Information, wenn das Portfolio wetterfest gemacht werden soll.

Der Ausbau der Kassequote auf über 10 Prozent erfolgt durch die von uns ohnehin schon seit Wochen angedachte Reduktion gut gelaufener zyklischer Aktien aus den Bereichen Transport, Halbleiter und Materials. Die zusätzliche Absicherung durch DAX-Futures ist im Aufbau.

Zu unserer Strategie gehört natürlich auch, dass wir schon jetzt nach den Gelegenheiten suchen, die sich bieten könnten, wenn die Dünung im Ärmelkanal ohne Schaden anzurichten auf die europäische Küste trifft. Stockpicking hat uns nach dem ersten Wahlgang in Frankreich zu einer guten Performance verholfen. Und auch damals waren wir vorher risikoavers positioniert. Wir geben uns natürlich Mühe, um diesen Erfolg zu wiederholen.

Interessante Einstiegsmöglichkeiten zeichnen ab sich im Bereich spät-zyklischer Branchen zu denen Konsum, Reise und ähnliche Investitionsthemen zählen, denen wir aufgrund der verbesserten wirtschaftlichen Lage der europäischen Verbraucher höheres Entwicklungspotential zubilligen. Außerdem sehen wir weiter gute Chancen im Thema „Internetvideo“, das auch im M&A-Geschäft bereits seine Schatten voraus wirft (z.B. United Internet kauft Drillisch oder Kinnevik [ex-Rocket Internet-Investor] steigt ein bei Com Hem [schwedische Kabelgesellschaft]).