AutoLehman | On VW

1.
Die Aktie ist innerhalb von zwei Tagen um mehr als 40% gefallen.

2.
Es handelt sich offenkundig um aktiven Betrug nicht nur in den USA – weltweite Ermittlungen laufen an.

3.
Als Computerproblem wird das ganz nicht in die Geschichte eingehen. Eher als neue Bonanza für US-Anwälte (siehe Siemens).

4.
Der Fall hat sicher Ähnlichkeiten zum Türschloss-Problem von GM. Dabei ging es um „Konzern-Schlamperei mit vielfacher Todesfolge“. Diese Dimension hat der Fall VW nicht – aber systematischer Betrug von Umweltbehörden ist auch nicht zu unterschätzen.

5.
Im Fall Enron wurde die WP-Gesellschaft Arthur Andersen mit in den Strudel gezogen, weil Sie aktiv daran beteiligt war, die betrügerischen Machenschaften ihres Klienten Enron zu vertuschen. In späteren Jahren wurde durchaus eingeräumt, dass die Behörden überreagiert haben und dass die Vielzahl der verlorenen Arbeitsplätze bei der Bemessung der Strafmaßnahmen vielleicht nicht richtig mit berücksichtigt wurde. Die von den US-Behörden defacto verhängte Strafe – das muss hier geschrieben werden – war die Vernichtung des Unternehmens Arthur Andersen.

6.
Bei Betrugsverfahren in den USA lautet das Stichwort „RICO – Racketeer Influenced and Corrupt Oragnisaations Act“. Bekannte Fälle waren die Cosa Nostra, die Gambino-Familie, Michael Milken und – Sie lesen richtig: VW.
„1996 versuchte die Adam Opel AG über General Motors, die Manager Ferdinand Piëch und José Ignacio López de Arriortúa von der Volkswagen AG wegen der Begleitumstände des Wechsels von López zur VW AG zu verklagen; auch die Staatsanwaltschaft in Darmstadt ermittelte. Eine juristische Schlacht über mehrere Jahre kündigte sich an, bis unter Vermittlung von Bundeskanzler Helmut Kohl und US-Präsident Bill Clinton ein Vergleich ausgehandelt werden konnte. Letztlich musste Piëch López 1996 zum Rücktritt drängen, damit General Motors einem Vergleich zustimmte, bei dem VW 100 Mio. US-Dollar Schadensersatz an GM zahlte und für 1 Mrd. US-Dollar Bauteile von GM bezog. Ein Strafverfahren gegen López wegen Industriespionage wurde gegen Zahlung von 400.000 DM eingestellt.“ (Quelle: Wikipedia – RICO).

7.
Der Fall VW hat für Deutschland eine ökomomische, aber auch eine enorme politische Dimension. Für die Gewerkschaften und auch die SPD stellt VW eine Art Kronjuwel dar. Das VW-Gesetz wurde über Jahrzehnte hartnäckig verteidigt, Peter Hartz, der Namensgeber von Hartz IV, war vorher Vorstand bei VW. Der Gewerkschafter Osterloh ist seit dem Rückzug von Ferdinand Piech AR-Vorsitzender – in der wohl schwierigsten Situation für VW seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

8.
Ukraine, Griechendland, Flüchtilinge – die Hiobsbotschaften für das Kanzleramt reißen nicht ab. Dass die Unternehmen der Autozulieferindustrie in Deutschland einen noch größeren Anteil am BIP erwirtschaften, als die Autohersteller selbst, ist in dieser Situation auch kein Trost – die Auswirkungen bei manchen Zulieferern können noch verheerender sein, als bei VW selbst.

9.
Bereits im August warnten wir von den Herausforderungen, die auf die Autobranche im Zusammenhang mit den Themen Umwelt und Elektro zukommen. Die schlimmsten Befürchtungen sind bei VW allerdings deutlich übertroffen worden.

Der September wird seinem schlechten Börsenimage – jedenfalls in Deutschland – auch in diesem Jahr wieder voll gerecht. Kurssicherung und Kassequote bei der Mellinckrodt 2 SICAV bleiben hoch, um das Kapital – wie auch schon im August – zu schützen.